Steiermark: Massive Diabroticaschäden in Mais - Kernölpreise dürften steigen

Landwirtschaftskammer verstärkt Informationsveranstaltungen zu Fruchtfolge.

Graz, 24. Oktober 2014 (aiz.info). - Nach dem Dürrejahr 2013 hat sich laut dem steirischen Landwirtschaftskammer-Präsidenten, Franz Titschenbacher, auch 2014 als äußerst hart erwiesen. "Die überdurchschnittlich hohen Niederschläge, teils zur Anbauzeit und zur Ernte, das Hochwasser im Landessüden und das unerwartet starke Auftreten von Schädlingen führten zu teils erheblichen Ernteeinbußen, insbesondere bei unseren wichtigen Kulturen Kürbis und Mais. Zudem hat die überraschende Importsperre Russlands die Agrarmärkte, vor allem für Äpfel und Schweinefleisch, in arge Turbulenzen gebracht, die Preise sind stark gefallen. Die Produktion ist nicht mehr kostendeckend. Auch die Milchbauern leiden aufgrund des Embargos", fasst der bäuerliche Interessenvertreter heute bei der Präsentation der Ernteergebnisse zusammen.

Diabroticabefall sorgte für sehr unterschiedliche Maiserträge

Der Maiswurzelbohrer, der mittlerweile in der gesamten Steiermark sein Unwesen treibt, hat auch heuer wieder manche Bestände erheblich geschädigt und für sehr unterschiedliche Erträge gesorgt. Während der Körnermais in den vergangenen drei Jahren durchschnittlich 11,4 t pro Hektar lieferte, liegt er heuer bei den nicht befallenen Flächen zwischen 12 t und 13,5 t und damit um 18% höher als im langjährigen Schnitt. Spitzenerträge, wie 2011 oder 2012, wird es aber nicht geben. Dafür waren die Diabroticaschäden zu sehr ertragsdämpfend. Diese reichen von Totalausfällen durch Wurzelfraß der Larven und anschließendem Lager durch Sturm bis zu erheblichen Befruchtungsschäden durch geschlüpfte Käfer, die die Erträge um rund 20% reduzierten. Zwischen 1.000 und 2.000 ha Mais kippten durch Wurzelfraß und Sturm.

Die steirischen Ackerbauern setzen verstärkt auf Fruchtfolge. Seit dem Vorjahr wurde die Maisfläche um 11,8% auf 62.487 ha - fast die Hälfte der Ackerfläche des Bundeslandes - reduziert. Trotz allem ist Mais damit immer noch die wichtigste Ackerkultur und gleichzeitig eine wichtige Futtergrundlage für Schweine, Rinder und Geflügel.

Das massive Auftreten des Diabrotica-Schädlings wird zu einer weiteren Ausdehnung der Fruchtfolge führen. Auch die Landwirte sind laut Kammerdirektor Werner Brugner sehr interessiert an Informationen dazu. Die LK wird daher in den kommenden Monaten ihre Fachveranstaltungen diesbezüglich intensivieren. "So finden jetzt bereits Flurbegehungen für die Getreidebauern statt. In den kommenden Monaten werden 100 pflanzenbauliche Fachveranstaltungen teils auf den Feldern und in Form von Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen stattfinden", so Brugner. Ebenso stark nachgefragt sind Frühjahrs-Fachveranstaltungen zum Hirseanbau als Alternative zu Mais.

Kürbisfläche um ein Fünftel erweitert - Hochwasser vernichtete 500 ha

Zwar wurde die Kürbisanbaufläche in der Steiermark um 20% auf 11.712 ha erweitert, dennoch ist die Ernte heuer knapp ausgefallen. Schuld daran war zum einen das nass-kalte Frühjahr, wodurch der Anbauzeitpunkt nach hinten verschoben wurde, zum anderen vernichtete Hochwasser im Sommer rund 500 ha in den Bezirken Leibnitz, Südoststeiermark sowie Teilen der Weststeiermark und auch insgesamt wirkte sich die schlechte Witterung deutlich auf die Erträge aus - diese liegen im Schnitt bei 400 kg Kernen. Aufgrund der großen Nachfrage ist daher mit höheren Kernölpreisen zu rechnen.

Hervorragende Erträge bei Getreide, überdurchschnittliche bei Raps

Sehr gute Wuchsbedingungen und ein sehr milder Winter haben den steirischen Getreidebauern heuer Spitzenerträge von bis zu 10 t/ha beschert. Insgesamt wurde der Anbau seit dem Vorjahr um 21% auf 25.435 ha erweitert. Ausschlaggebend dafür war die Einführung der Fruchtfolgeverpflichtung und die einsetzenden Maiswurzelbohrerschäden des Vorjahres. Neben Getreide hat auch die Körnerhirse von der Zunahme der Fruchtfolge profitiert. Ihre Anbaufläche hat sich auf Kosten von Mais auf nahezu 3.000 ha vervierfacht.

Wie Wintergetreide hat auch Raps von den milden Wintertemperaturen profitiert. Die Erträge erreichten Werte zwischen 4 t und 4,7 t/ha, auf einer Gesamtfläche von 460 ha (-30%).

Grünland: Viel Futter - Schwierige Heuernte

Beim Grünland haben die beachtlichen Regenfälle zwar hohe Erträge, jedoch nur durchschnittliche Qualitäten gebracht. Auch die Heuernte war aufgrund der schwierigen Befahrbarkeit der Wiesen nur eingeschränkt möglich. Die gute Futterversorgung führt zu einer stagnierenden Nachfrage nach Raufutter aller Art. Das reichliche Angebot drückt deutlich auf die Preise. So kostet Heu in Großballen derzeit rund EUR 16,- bis EUR 18,- je 100 Kilo (2013: rund EUR 22,-), Silageballen zwischen EUR 28,- und EUR 33,- bei einem Durchmesser von 120 Zentimeter ab Hof (2013: EUR 35,- bis EUR 40,-).

Weinbauern hofften vergeblich auf gute Ernte

Nach der durchschnittlichen Ernte 2013 mit 220.000 Hektoliter dürfte die diesjährige Erntemenge mit 190.000 bis 200.000 hl noch geringer ausfallen. Der aktuelle Jahrgang stellt die Winzer insgesamt vor besondere Herausforderungen. Die Qualität der Trauben ist aufgrund der vielen Auslesearbeiten gut. Die ersten verkosteten Weine versprechen viel Duft und Frucht. Sie sind äußerst typische Steirer mit animierender Säure.

Die Sorte Sauvignon blanc ist in der Steiermark weiter im Vormarsch. Mit 13,2% ist sie die zweitwichtigste Sorte im Land, rund ein Drittel der Neupflanzungen entfallen auf sie.

Sehr gute Apfelernte 2014

Nach den relativ kleinen Mengen 2012 und 2013 wird die steirische Apfelernte heuer mit geschätzten 190.000 t sehr gut ausfallen. Sorge bereitet den Erzeugern aber die angespannte Marktsituation. Bereits die Erzeugerpreise der Saison 2013/14 (Ernte 2013) bei Tafeläpfeln befanden sich auf sehr niedrigem Niveau. Sie sind aufgrund des Russland-Embargos und der guten Prognosen für die Ernte 2014 nochmals unter Druck geraten, sodass die Erzeugerpreise für Tafeläpfel für die Saison 2013/2014 (ist noch nicht endabgerechnet) ebenfalls niedrig sein werden. Auch für die Verkaufssaison 2014/15 ist derzeit mit keiner Entspannung zu rechnen. Negativ ist derzeit auch der Markt für Verarbeitungsobst.

Wertvernichtung von hochwertigen Lebensmitteln stoppen

"Priorität haben nun Maßnahmen zu Marktstabilisierung, um die anhaltende Wertvernichtung von hochwertigen, heimischen Lebensmitteln wie Schweinefleisch und Äpfeln zu stoppen", betonte Titschenbacher. Dazu müsse die EU rasch die für solche Turbulenzen vorgesehenen Exporthilfen für Drittlandsmärkte freigeben. Er appelliert ebenso an den Handel, die angespannte Lage nicht auszunützen und die Preise nicht künstlich zu drücken. "Eine faire Partnerschaft bedeutet auch faire Preise für die Bauern und Konsumenten."
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