ZAR weist Kritik an leistungsorientierter Zuchtstrategie zurück

Wagner: Genetisches Potenzial mit nachhaltigen Begleitmaßnahmen ausschöpfen.

Wien, 4. Februar 2016 (aiz.info). - Die zentrale Arbeitsgemeinschaft österreichischer Rinderzüchter (ZAR) wehrt sich gegen Kritik von verschiedenen bäuerlichen Organisationen, wonach Zuchtverbände nur auf Höchstleistungen bei den Tieren setzen. Selbst bei der Grünen Woche in Berlin im Rahmen der Präsentation des "Kritischen Agrarberichts 2015" seien Bedenken vorgetragen worden. Vorschläge für eine Leistungsbegrenzung von 6.000 kg Milch pro Kuh und Jahr werden von der Rinderzucht Austria entschieden zurückgewiesen. "Das genetische Potenzial der Rinder, das sich über Jahrhunderte entwickelt hat, sowie tiergerechte Fütterungs- und Haltungsanforderungen bedingen leistungsbereite Tiere. Dies gehört im Interesse unserer Rinder und der nachhaltigen Bestandsfähigkeit der Betriebe mit Maßnahmen zur Tiergesundheit begleitet", betonte ZAR-Obmann Anton Wagner.

Wagner verteidigt das Konzept mit Blick auf massive Einkommensverluste der Milchbauern und Züchter im Jahr 2015. "Es ist eine vernünftige Balance zwischen Leistungsorientierung, Tierwohl und nachhaltiger Nutzung des vom Flächenrückgang bedrohten Grünlands erforderlich", so Wagner. Kleinstrukturierte bäuerliche Familienwirtschaften bräuchten im globalen Wettbewerb Perspektiven für die professionelle Führung der Betriebe, für die Investitionssicherheit sowie für Absatzchancen im In- und Ausland.

Gesunde Tiere mit umfassender Bildungs- und Beratungspolitik

Die durchschnittliche Anzahl der Milchkühe in Österreich ist mit 14 Stück im europäischen Vergleich (Tschechien 120, Deutschland und Frankreich je 40) sehr gering. Überdies gibt es einen bedenklichen Rückgang der Milcherzeuger, dem der ZAR-Obmann mit offensiven Strategien in der Bildungs- und Beratungspolitik entgegenwirken möchte. "Das Motto, wonach nur gesunde Kühe wirtschaftlichen Ertrag und somit Einkommenssicherheit bieten, ist seit über zehn Jahren das Hauptaugenmerk der ZAR", so Wagner. Die Themen Fruchtbarkeit, Langlebigkeit sowie Klauengesundheit seien für die Milchviehhalter von existenzieller Bedeutung. Im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte stelle die Rinderzucht Austria in Zusammenarbeit mit den Universitäten für Bodenkultur und für Veterinärmedizin den Zuchtbetrieben praxisgerechte Forschungsergebnisse zur Verfügung.

"Österreich ist EU-weit das einzige Land, das gentechnikfreie Milch herstellt und sich damit auf in- und ausländischen Märkten hohes Vertrauen bei den Konsumenten erworben hat. Durch diese Besonderheit hebt sich die heimische Rinderwirtschaft klar von anderen Produktionsländern ab", ist der ZAR-Obmann überzeugt. Ein ruinöser Verdrängungswettbewerb unter den Lieferanten und aufseiten der Verarbeiter werde letztendlich aber immer zulasten des Bauerneinkommens führen. "Es darf nicht passieren, dass die Milchbauern zu unterbezahlten Dienstleistern degradiert werden", brachte es Wagner auf den Punkt. Rund 87% der in Österreich in den Verkauf gelangten Milch stammt von Rinderzuchtbetrieben.