ZAR: Gesunde Kälber sind Basis für erfolgreichen Rinderbetrieb

2017 zahlreiche Fachberichte und Veranstaltungen zu diesem Thema geplant.

Wien, 19. Jänner 2017 (aiz.info). - Die Rinderzucht Austria (ZAR) ruft für das Jahr 2017 den Themenschwerpunkt "Das Kalb - die Kuh von morgen" aus. Unter diesem Motto sind Fachberichte, Vorträge und Veranstaltungen geplant, welche die Themen rund um das Kalb näher beleuchten werden. Die Basis für einen erfolgreichen Rinderbetrieb sind gesunde Kälber. Dies wird vor allem aus betriebswirtschaftlicher Sicht oftmals vernachlässigt. In diesem Punkt steckt aus Sicht der ZAR noch sehr viel Potenzial.

"Ziel dieses Themenschwerpunktes ist es, Landwirte für dieses Thema zu sensibilisieren sowie eine Verbesserung der Kälbergesundheit und somit eine Reduktion der Aufzuchtverluste zu erwirken. Die Kälberaufzucht erfordert von der Geburt über die optimale Fütterung und Haltung bis hin zu einer der wichtigsten Faktoren, der Hygiene, viel Wissen und Erfahrung", betont ZAR-Obmann Stefan Lindner.

Risikopaarungen vermeiden

Neben den zahlreichen täglichen Maßnahmen aus der Praxis liefert die Rinderzucht neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zur Verbesserung der Kälbergesundheit und zur Suche sowie Kontrolle von Erbkrankheiten. So können mithilfe eines intensiven Monitorings der ZAR/ZuchtData in Zusammenarbeit mit der TU München Erbfehler genetisch erkannt und die Kälbersterblichkeit vermindert werden. Züchterisch können somit im Vorhinein Risikopaarungen mit bekannten Anlageträgern vermieden werden. Hier liefert das seit fünf Jahren aktive Anpaarungsprogramm OptiBull eine wichtige Basis. Das Programm steht unter www.zar.at im Bereich Service/RDV-Portal den Zuchtberatern und Züchtern zur Verfügung.

Starke Genetik als wichtiger Startvorteil

Neben der intensiven Suche nach diesen genetischen Besonderheiten steht auch die Geburt des Kalbes im Fokus der Rinderzucht. Als Merkmal für den Kalbeverlauf beziehungsweise die Leichtkalbigkeit wird eine fünfstufige subjektive Skala in Abhängigkeit von der notwendigen Geburtshilfe verwendet. Als sehr zweckmäßiges Hilfsmerkmal dient seit Kurzem die Trächtigkeitsdauer. Verlängert sich diese um zehn Tage, so erhöht sich die Schwergeburtenrate um 2 bis 3%. Die neue "Zuchtwertschätzung Aufzuchtverluste" umfasst sowohl die Totgeburtenrate als auch die Verendungen von Kälbern oder Jungrindern. Veröffentlicht wird nun seit der Zuchtwertschätzung im April 2016 der neue Vitalitätswert (VIW), der sich entsprechend der wirtschaftlichen Bedeutung aus der Totgeburtenrate und den Aufzuchtverlusten zusammensetzt. "Mit dieser Einführung stehen nun weitere wertvolle Daten der bisher züchterisch nicht erfassten Aufzuchtphase zur Verfügung. Um das genetische Potenzial auch vollständig ausschöpfen zu können, ist es wichtig, bestmögliche Rahmenbedingungen für die Kälberaufzucht zu schaffen", so Lindner.

Aufzucht verursacht hohe ökonomische Verluste

Nach einer Studie von Fürst-Waltl und Sørensen im Jahre 2010 an mehr als einer halben Million dänischer Holsteinkalbinnen verendeten über die gesamte Aufzuchtperiode 9,4% aller Tiere. Die Aufzuchtperiode ist bis hin zur Abkalbung definiert, ohne Berücksichtigung von geschlachteten und exportierten Tieren. Weitere Untersuchungen mit österreichischen Daten zeigten, dass ab dem dritten Lebenstag bis zur Kalbung etwa 4% aller weiblichen Fleckviehkälber beziehungsweise Jungrinder als verendet gemeldet wurden. Beim Braunvieh waren dies etwa 6%. Damit ist laut ZAR klar, dass die Kälberaufzucht mit diesem hohen Anteil an Verlusten einen bedeutenden betriebswirtschaftlichen Faktor darstellt. Je später der Verlust in der Aufzuchtphase erfolgt, umso höher ist er ökonomisch.

Themenschwerpunkt bei der Wintertagung

Bereits am 3. Februar wird dieser Themenbereich im Rahmen der Wintertagung des Ökosozialen Forums in Aigen im Ennstal behandelt. ZAR-Obmann Lindner wird dabei den "Weg der Rinderzucht Austria" skizzieren. Über das Thema Abkalbung referiert Tierarzt Walter Peinhopf, den Bereich Kälberhaltung und Aufzucht behandelt Johann Häusler vom LFZ Raumberg-Gumpenstein. Anfang Februar findet an der LFS Kirchberg auch ein Seminar zum Generalthema "Die Herausforderung - jedes Jahr ein gesundes Kalb" statt. Am 15. März folgt die Kremesberger Fachtagung der VetMedUni Wien in Kooperation mit der ZAR. Ein Internationaler Kälberfachtag findet am 30. März im Kompetenzzentrum für Milchviehhaltung und Rinderzucht in Pyhra statt. Dabei werden in- und ausländische Firmen die neuesten Trends, von der Kälbertränke bis zur -aufstallung in der Praxis, vorstellen. Weiters sind in einschlägigen Fachzeitschriften Artikelreihen zu diesem Thema geplant.